Bei Physiotherapie für Tiere denken die meisten zunächst an Hilfe für Hunde, weniger an Katzen und Kaninchen. Das hat zum Teil damit zu tun, das bestimmte Krankheiten selten oder gar nicht auftreten wie z.B. Kreuzbandrisse oder HD. Zum größeren Teil liegt es aber sicher daran, dass Störungen im Bewegungsablauf dieser Tiere erst spät auffallen . Zudem geht man häufig davon aus, dass Katzen und Kaninchen insgesamt unruhiger bei Behandlungen sind und sich viele Dinge nicht so leicht gefallen lassen wie Hunde. Das stimmt aber nur zum Teil. Sicher kann man sie nicht dazu überreden, sich zur Massage ruhig auf die Seite zulegen und die Behandlungszeiten werden auch kürzer ausfallen. Wenn man sich aber vorsichtig verhält, dann sind vor allem viele Kaninchen durchaus kooperativ. Erkrankungen, die beim Kaninchen mit Physiotherapie und Physikalischer Therapie behandelt werden sollten, sind alle Erkrankungen, die mit Lähmungen einhergehen. Ursachen hierfür können Verletzungen des Rückenmarks und der Nerven durch Stürze ( Fallen vom Arm, Ausgleiten auf glattem Boden, Sprünge aus zu großer Höhe) , Bandscheibenvorfälle und deformierte Wirbel sein. Auch bei inneren Erkrankungen wie der Infektion mit Encephalitozoon cuniculi kommt es unter anderem zu Lähmungen der Hinterhand.
In meiner Praxis habe ich in den Jahren 2009 und 2010 Zwergkaninchen mit unterschiedlichen Lähmungserscheinungen behandelt, die in einer Pflegestelle des Tierheims Reutlingen untergebracht waren. Zwei Kaninchen konnten die Hinterbeine nicht mehr anziehen, ein weiteres grätschte vorne aus und konnte nicht mehr hoppeln. Die Ursachen waren Wirbeldeformationen und Bandscheibenvorfall bei einem Kaninchen, bei den anderen beiden war es vermutlich durch Unfälle mit Kindern zu Wirbelluxationen gekommen mit Druck auf das Rückenmark. Alle Kaninchen wurden zunächst mit Softlaser behandelt und nach kurzer vorsichtiger Massage der Gliedmaßen mit Bewegungstherapie. Die Behandlungsdauer lag jeweils bei etwa 20 Minuten und wurde von allen Kaninchen gut toleriert. Mit zunehmender Beweglichkeit ließ zwar die Geduld etwas nach, aber trotzdem kam es nicht zu Flucht- und Abwehrbewegungen. Alle drei zeigten eine schnelle Verbesserung der Bewegung, jedoch verstarb das Kaninchen mit der Wirbeldeformation aus ungeklärter Ursache nach einigen Wochen. Die anderen beiden erholten sich jedoch fast vollständig und können sich hoppelnd vorwärtsbewegen, auch das ausgrätschen des einen auf der Vorderhand tritt kaum noch auf.
Daher sollte man der Physiotherapie bei Kaninchen auch bei neurologischen Störungen durchaus eine Chance geben , v.a. wenn sich keine schleichende Verschlechterung unter der Behandlung zeigt. Auch das Kaninchen als eigentliches Fluchttier ist durchaus in der Lage positiv auf Physiotherapie zu reagieren.
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